Leben ohne Strom und fließend Wasser: Wenn sich Gemeinschaften zum Ausstieg entscheiden
Kinder aus religiösen Randgruppen haben es nicht einfach. Grundsätzlich ist unsere Gesellschaft in vielen Hinsichten noch unaufgeklärt und intolerant gegenüber dem „anders sein”. Das fängt schon an, sobald das eine Kind ein paar Kilo zu viel oder zu wenig auf den Rippen hat, sich keine teure und angesagte Markenbekleidung leisten kann, vielleicht etwas schüchtern und introvertiert ist oder eben, falls ein Kind durch sein außergewöhnliches Lebensumfeld aus dem Rahmen fällt.
Dabei kann das Kind ja keinen Einfluss darauf ausüben, welchen Lebensstil die eigenen Eltern für die richtige betrachten. Für viele ist auch der Gedanke sehr ungewohnt, dass es tatsächlich Menschengruppen gibt, die ohne fließendes Wasser und ohne Strom leben. Doch gerade in Kreisen von religiösen Sondergruppen kann dies sogar der Fall sein. Zum Beispiel die Amish-Sekte in Amerika: Hier lebt man noch wie im Mittelalter, völlig losgelöst von moderner Technologie und der westlichen Wissensgesellschaft. Da sind Begriffe wie Strom und Preisvergleich, Nebenkosten oder Kosten für Gas etwa so exotisch wie in unserer Gesellschaft der Gedanke, ohne unseren heutigen Standard an Wohlstand und Technologie zurecht kommen zu müssen.
Konsequenzen fürs Kind: Ein Leben ohne modernen Strom und Energie-Ressourcen
Doch was heißt es eigentlich für ein Kind ohne fließendes Wasser und ohne Strom leben zu müssen? Notdürftige Katzenwäsche am Morgen, kaltes Baden im See, nachts nur noch Licht von Kerzen und Öllampen zu bekommen: Was irgendwie an die Wurzeln der Romantik oder an die literarische und gesellschaftliche „Sturm und Drang”-Bewegung von Goethe erinnert, ist für viele Menschen heute ein Ausstieg aus unserer hoch technologisierten Gesellschaft. Die einen zieht es ins Ausland, die andere in spirituelle oder religiöse Gruppen, welche sich mehr mit der Natur verbunden fühlen und traditionell leben möchten. Wichtig sollte jedoch auch sein, dass die es dem Kind selbst überlassen bleibt, wie es leben möchte. Schnell kann ein dürftig gepflegtes Kind zum Außenseiter und zur Angriffsfläche für Hohn und Mobbing werden. Hierfür müssen Eltern immer ein Auge haben, ganz egal, für welche Lebensform sie sich auch entscheiden. Schließlich haben die Eltern die Rahmenbedingungen fürs Kind gewählt, ohne je zu fragen. Deshalb sollten die Bedürfnisse der Kinder immer sehr ernst genommen und respektiert werden.